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Es war der große Komponist des Barock, Georg Friedrich Händel, der sich als Erstes für uns drehte: 1906 spielte der kanadische Rundfunk-Pionier Reginald Fessenden in Brant´s Rock, Massachusetts, die berühmteste Arie, das "Largo" aus der Händel-Oper "Xerxes". Die Testsendung, in der natürlich auch Fessendens Frau singen durfte, wurde sogar auf Schiffen in der Karibik empfangen. Die Musik kam zwar noch von Schellackplatte, der Radio-Versuch gilt in der DJ-Culture aber als Geburtsstunde der Plattenlegerei. Seit Jahrzehnten schon sind es die DJs, die maßgeblich an allen radikal-neuen Pop-Genres beteiligt sind: auch wenn sie zunächst im Radio tätig waren: 1919 sendete der niederländische Fabrikant Hanso Schotanus à Steringa Iderza aus seiner Wohnung in Den Haag die erste reguläre Radiosendung. An vier Tagen der Woche gab es sein beliebtes Programm inklusive Grammophon-Platten und Hausmusik, aber 1924 musste er aufgeben, weil es nicht mehr genug freiwillige Spender gab - sie blieben aus, weil die lieber ihr Geld für die anderen, neuen Stationen gaben. Während man bei der BBC in England nur im Dinner-Jacket Platten ansagen durfte, gründete sich 1931 schon der erste Piratensender: Radio Normandie sendete aus Nordfrankreich nach Südengland. Aber die erste große DJ-Leistung ist die Erfindung eines Welt verändernden Begriffs von Alan Freed. Alan Freed, der sich im Radio ´Moondog´ nannte, - nicht zu verwechseln mit dem Komponisten Moondog - war es auch, der das DJing dorthin verlegte, wo es heute stattfindet: vor Leuten in einer Halle. Am 11. Juli 1951 fand sein "Moondog Coronation Ball" statt - 10.000 passten in die Cleveland Arena hinein - aber 20.000, vor allem schwarze Hörer, kamen, und durchbrachen die Absperrungen. Dieser abgebrochene "Dance" - heißt es auf Alan Freeds Homepage gilt auch als erstes "Rock-Konzert". Die erste Diskothek der Welt war aber der Scotch Club in der Weltmetropole Aachen - gegründet 1959 als exklusives Speiselokal. Der Eröffnungs-DJ war jedoch ein Flop und so wurde der 19-järhige Lokalreporter Klaus Quirini, der über den Scotch Club schreiben sollte, gefragt, ob er nicht eine Ansage machen wolle. Qurini sagte: "Meine Damen und Herren, wir krempeln die Hosenbeine hoch und lassen Wasser in den Saal, denn ein Schiff wird kommen mit Lale Andersen" Das Publikum war begeistert. Klaus Quirini blieb im Scotch Club, nannte sich "Heinrich", gründete den Disc-Jockey-Verband und sein Aachener Ansagen-Musik-Mix sollte später die ganze Welt erobern - als ab 1974 in den USA die Discos aufkamen. Nachdem jamaikanische DJs den Dub entwickelten - indem sie von den Plattenfirmen auch instrumentale, basslastigere Versionen von den Single-Hits verlangten, um selbst über die Songs drüber zu sprechen und zu singen, wurde in New York sowohl der Non-Stop-Disco-Mix als auch der HipHop erfunden: Grandmaster Flash hatte 1981 den ersten Hit, der zusammengeklaut - zusammengesampelt - war. Danach entstanden viele Musikstile nicht mehr im Übungsraum oder auf der Bühne sondern im Nachtleben - House, Techno, Drum´n´Bass und so weiter. DJs wurden beschuldigt, Jugendliche zu Drogen zu verführen, DJs gaben Afro-Amerikanern und schwarzen Briten den Black Pride, DJs durften bei der Olympia-Eröffnung auflegen wie Tiesto in Athen 2004 - vor einem Milliarden-Publikum im Fernsehen. Für manche sind DJs ein Witz oder Gott, oder abwechselnd beides, sie lassen ihre Ohren versichern, verklagen Fluggesellschaften wegen verlorener Plattenkoffer, die sie ansonsten zu Rückenkrüppeln machen. Demnächst werden sie mit kombinierten Platten-CD-Spielern auflegen, mit MP3s aus dem Handy oder als Hologramme zeitgleich an verschiedenen Orten. Sie werden zur Vereidigung von Königen und Präsidenten auflegen und erleben, wie ihr Job zum Ausbildungsberuf verkommt. Cyrano De Bergerac träumte noch von sprechenden Büchern, die man zwar hören aber nicht lesen kann. Wenn ihr also am 25. Dezember eine alte, kratzende Weihnachzplatte für eure Lieben auflegt, dann denkt daran, dass man das erst genau seit 100 Jahren so macht. Auch wenn nicht immer Frauen mitsingen müssen. Quelle: www.br-online.de |