Als am 15.11.2002 im Mark 4 Future Vibes angesagt war, konnten wir uns die Möglichkeit natürlich nicht entgehen lassen, einmal persönlich mit DJ Mellow-D zu sprechen. Ein sehr aufgeschlossener und freundlicher DJ, der auch trotzdem er recht kaputt war und noch eine weite Reise vor sich hatte, ausführlich mit uns plauderte. Viel Erfolg weiterhin!  Wir mit DJ Mellow-D
Wie ist dein bürgerlicher Namen und wie alt bist du? Ich heisse Christian und bin 30 Jahre alt. Wie bist du auf deinen Künstlernamen gekommen? Das hat sich halt so ergeben. War ein Wortspiel. Wann und wie hast du mit dem DJaying angefangen? Mein Vater hat früher auch schon aufgelegt und dadurch wurde es mir sozusagen in die Wiege gelegt. Ich habe dann auch damit angefangen und mich hochgearbeitet. Was kann dir die Laune an den Turntabels vermiesen? Wenn der Laden halb voll ist und die Leute dumm gucken, wenn man keinen Kommerz spielt. Gab es schon einmal Momente in denen du keine Lust mehr hattest als DJ zu arbeiten? Ja, wenn man wochenlang unterwegs ist und immer in die gleichen trüben Gesichter blickt. Wenn man ein Mal nicht mit der Crowd arbeiten kann, ist das okay. Aber ich verzweifle an der momentanen Situation in den meisten Läden. Es ist nicht mehr so wie vor 2 Jahren. Damals konnte ich fast überall die Begeisterung in den Gästen wecken. Heute wollen alle nur noch den gleichen Mist hören, den es eh schon die ganze Woche über im Radio zu hören gibt. Wann hast du deine erste Platte gekauft und was für eine war es? Das war so 84/85 "Trance X - Living on Video". Wo kaufst du am liebsten deine Platten? Im Internet und vereinzelt noch in Hamburg! Welches war der erste Song, der von dir veröffentlicht wurde? Das war "Paradise" (1996). Gibt es einen Remix, den du gemacht hast, auf den du ganz besonders viel Wert legst? Am besten fand ich den Remix für "Central Seven - Missing". Schade, dass es nicht meine eigene Single war. Was für Releases, bzw. Remixes liegen als nächstes an? Im Januar kommt meine neue Single „Sampleslutz ( Rockin´ the Beat )“. Remixe mache ich zur Zeit keine, kann aber jeden Tag kommen. Vor kurzem habe ich noch einen Remix für Noemi gemacht. Außerdem erscheint demnächst noch ein Remix auf meinem Label Randgruppe für Akusmata X-Perience. Hast du ein eigenes Studio oder produzierst du bei anderen DJ´s, bzw. lässt produzieren? Ich habe ein eigenes Studio und produziere alles selbst. Produzierst du auch für andere DJ´s? Nein. Gibt es andere DJ's mit denen du dich sehr gut verstehst? Ich verstehe mich mit fast allen. Nur ich mag Leute nicht, die arrogant anderen gegenüber sind oder jemanden schlecht machen, obwohl sie einen gar nicht wirklich kennen. Was empfiehlst du dem Anfänger DJ für Equipment zum Erlernen des DJayings? Das kommt darauf an. Wenn man das nur mal ausprobieren möchte und nicht weiß, ob das was für einen ist, kann man die günstigere Variante wählen. Wenn man das aber wirklich will, sollte man nicht an solchen Sachen sparen, man sollte schon die hochwertigeren Geräte bevorzugen. Was muß man tun um erfolgreich zu werden? Ist alles Zufall. Man kann so etwas nicht erzwingen. Aber man sollte immer an sich selbst glauben und kontinuierlich eigene Produktionen veröffentlichen. Hast du Vorbilder? Nein. Hast du einen Lieblingstrack, den du immer wieder spielst? Keinen speziellen, ich grabe manchmal zufällig eine alte Platte aus, die ich dann öfter mal wieder einsetze, wenn es passt... Welcher deiner Tracks gefällt dir am besten? Der Remix "Missing"! Wo war bisher die beste Stimmung bei deinen Auftritten? Das war im August auf der Freedom Parade in Estland. Wo würdest du gerne Auflegen? Ich würde gern mehr im Ausland auflegen. Dort gehen die Menschen offener mit neuer Musik um und versetzen sich viel schneller in den DJ. Reizen würden mich allerdings eine Inner City oder eine Mayday. Hast du schon einmal auf der Loveparade aufgelegt? Ja, schon mehrmals. Allerdings nicht an der Siegessäule, sondern auf dem Truck unseres Clubs in Hamburg. Sind die Defizite, in deinem Privatleben sehr groß, die durch den Job als DJ entstehen? Die Freizeit geht komplett drauf. Man arbeitet viel im Studio, beantwortet E-Mails, hat also einen ausgefüllten Tag! Was hörst du privat für Musik? Querbeet, aber Qualität muss schon sein. Was hast du sonst für Hobbies? Dafür habe ich kaum Zeit. Mein Beruf ist mein Hobby! Was sind deine Schwächen? Pünktlichkeit! Was sind deine Stärken? Ich bin sehr selbstkritisch! Was hältst du von dem heutigen Drogenkonsum? Ist mir an sich relativ egal. Jeder soll machen, was er will, schließlich ist es jedermanns eigenes Leben. Ich selber habe noch nie etwas ausprobiert und möchte das auch gar nicht. Was hältst du von der Musikverbreitung durch MP3 im Internet? Gar nichts! Es ist für viele Leute selbstverständlich geworden, Musik über das Netz zu verbreiten. Dass das illegal ist und die Existenz der Produzenten und der Musikindustrie am seidenen Faden hängt, interessiert anscheinend niemanden. Welches war dein schönster Moment als DJ? Die "Freedom Parade" in Estland. Ich habe vor etwa 60.000 Menschen auf der Hauptverkehrsstrasse der Innenstadt von Tartu aufgelegt – das war wirklich beeindruckend. Welches war dein traurigster Moment als DJ? Traurigster Moment wüsste ich so nicht. Aber man ist sehr enttäuscht, wenn man vor 10 Leuten spielen muss. Das ist für einen DJ immer sehr schwierig. Was wünscht du dir für die Zukunft? Glück, Gesundheit und Akzeptanz.
Das Interview wurde geführt von HappyRaver (Tim Schröder & Timm Oldenettel) |